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Genugtuung für Raoul Wallenberg

Verantwortlicher Autor: Tamás György Morvay Budapest, 17.01.2019, 17:19 Uhr
Presse-Ressort von: Tamás Morvay Bericht 4783x gelesen

Budapest [ENA] Heute vor 74 Jahren verschwand, irgendwo auf den Landstrassen zwischen Budapest und Debrecen, der schwedische Diplomat Raoul Wallenberg. Der Mann, dem so viele Budapester Juden - darunter auch Verwandte des Autors - ihr Leben verdanken, wurde nach diesem Datum nie mehr gesehen. In der Gromyko-Note wurde behauptet, er sei 1947 in einem Gefängnis des sowjetischen Geheimdienstes nach einem Herzinfarkt gestorben.

Wallenberg kam 1912 zur Welt, sein Vater, ein pensionierter Marineoffizier und Mitglied der Bankiers- und Unternehmerfamilie gleichen Namens, verstarb noch vor seine Geburt. Nach Abschluss seines Architekturstudiums in den USA, arbeitete Wallenberg u.a. in Kaptadt und in Tel Aviv, bevor er wieder nach Schweden zurückkehrte. Er war geschäftlich in Budapest, als die Wehrmacht im März 1944 Ungarn besetzte und wurde Augenzeuge der Ghettoisierung und Deportation der jüdischen Bevölkerung durch die sog. Eichmann-Kommandos und ungarischer Nazis. Es gelang ihm mit Diplomatenstatus ins Land zurück zu kehren, wo er ab dem 9. Juli die Rettung Budapester Juden organisierte. Diese Arbeit betrieb er trotz aller Widrigkeiten, bis zu seinem Verschwinden.

Keine der involvierten Nachfolgeregierungen hat sich um Wallenberg mit Ruhm bekleckert. Nach der Machtübernahme haben die ungarischen Kommunisten, wenn auch auf sowjetischem Geheiss, Schauprozesse organisiert, um zu "beweisen", dass Wallenberg zum Opfer einer "zionistischen Verschwörung" geworden war. Wie Untersuchungen nach dem Ende des Kalten Krieges belegen, verhinderte nur Stalins Tod diese Schauprozesse. Den "Luxus" einer solchen Ausrede können die Regierungen von Wallenbergs Heimatstaat Schweden jedoch nicht für sich beanspruchen. Obschon es noch in den 1980er Jahren vereinzelte Gerüchte um Sichtungen Wallenbergs im sowjetischen Gulag gegeben hatte, stellten sich die Schweden, im Interesse der Neutralität wiederholt taub und blind!

Jerusalems Yad Vashem ehrte Raoul Wallenberg bereits 1966 als Gerechten unter den Völkern. Schwedens König Gustav VI. Adolf die höchste Auszeichnung des Königshauses mit dem wohlklingenden Namen "Illis quorum meruere labores" (Jenen, deren Arbeiten dies verdienstvoll werden lassen), bereits im Jahre 1952. Er ist u.a. Ehrenbürger der ungarischen Hauptstadt Budapest, we auch der USA, Israels und Kanadas, ebenso wurde er mit dem Menschenrechtspreis des Europarates ausgezeichnet. Doch leider klafft noch eine riesige, offene Wunde in der Erinnerung an diesen grossartigen Menschen. Wann widerfährt Raoul Wallenberg Genugtuung durch den russischen Staat, der ihn ermordet hat? Ist ein Dreiviertel-Jahrhundert noch nicht genug?

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